Sammlerin
Andra Lauffs-Wegner

Mit der Entscheidung, Kunstwerke ihrer privaten Sammlung auszustellen und damit in einen öffentlichen Dialog zu führen, ging für Andra Lauffs-Wegner ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Seit 2014 hat sie mit KAT_A ein neues Forum für internationale Kunst der Gegenwart in Bad Honnef am Rhein geschaffen.

Für ihr besonderes Ausstellungskonzept hat Andra Lauffs-Wegner das historische Gebäude „Haus Hedwig“, das während des 2. Weltkrieges auch als Lazarett diente, ausgewählt. Die ca. 400 qm große Ausstellungsfläche erstreckt sich auf den ehemaligen Speisesaal mit angrenzendem Raum sowie der hauseigenen Kapelle. Die über vier Meter hohen Wände zeigen Spuren längst vergangener Tage. „Die Arbeiten erhalten auf diese Weise eine besondere Aura und können in den unterschiedlichen Räumen immer wieder in neuen veränderten Kontexten zu anderen Arbeiten gestellt werden. Zudem ist es sehr spannend, die Kunstwerke nicht nur in privater Umgebung, sondern in einem geschichtsträchtigen Ausstellungsraum zu erleben“, beschreibt Andra Lauffs-Wegner ihre Wahl für die Location.

„Ich liebe es, mich mit künstlerischen Positionen auseinanderzusetzen, zu überlegen, wie Kunst zu definieren ist, welche gesellschaftlichen Auswirkungen sie hat und wie Künstler gefördert werden können. Kunst ist einfach ein ganz wesentlicher Teil meines Lebens …“

In den jeweiligen Ausstellungen werden Positionen sowohl international etablierter als auch junger Künstler der Sammlung in neue Kontexte gestellt, um kunsthistorische Aspekte zu beleuchten oder interessante Fragestellungen zu formulieren. Die Werke im „Haus Hedwig“ werden mit Installationen und Skulpturen auf dem historischen Parkgelände ergänzt.

Bei ihren Ausstellungen versucht Andra Lauffs-Wegner thematische Bezüge und das Spiel mit künstlerischen Interventionen herauszuarbeiten, um gewohnte Wahrnehmung zur Diskussion zu stellen. In Eigenregie und dem Gespür für inhaltliche und formale Schwerpunkte stellt sie die Werke ihrer Sammlung in dialogisierende Kontexte. „Zu Beginn meiner Sammlung hatte ich kein wirklich zugrundeliegendes Konzept und hatte vielmehr Kunst intuitiv gekauft und zusammengestellt. Dennoch wusste ich sehr genau – sozusagen schlafwandlerisch – wo und wie welche Arbeit jeweils hängen oder stehen sollte. Mit den Ausstellungsräumen und den damit verbundenen Möglichkeiten hat die konzeptuelle Zusammenstellung der Arbeiten eine viel größere Dimension erhalten“, beschreibt die kunstbegeisterte Mutter zweier erwachsener Kinder den Weg, der sie von der Sammelleidenschaft zur jetzigen Ausstellungstätigkeit geführt hat. Den dafür nötigen Blick und die praktische Erfahrung hat sie dabei durch früheste Begegnungen mit der Kunstwelt trainieren und sammeln können. Schon als Kind begleitete sie ihren Vater auf den Weg in Museen und Galerien und wuchs inmitten der hochkarätigen Sammlung ihrer Eltern mit bedeutenden Werken europäischer Künstler der 1960er und 1970er Jahre, der Pop Art, Arte Povera und des Minimalismus auf. Als Studentin kaufte sie ihre erste eigene Arbeit, „Sleeping Woman“ von George Segal, der schnell eine Grafik von Robert Rauschenberg folgte. Heute haben es der studierten Betriebswirtin und Kunsthistorikerin, die schon Ende der 1970er Jahre weitsichtig über die “Moderne Kunst als Kapitalanlage“ ihre Diplomarbeit schrieb, vor allem Fotokunst und konzeptuelle Arbeiten angetan. Dabei sammelt sie sowohl etablierte als auch junge aufstrebende Positionen. „Es ist aufregend, Neues zu entdecken, den direkten Austausch mit Künstlern zu pflegen und zu sehen, wie sie sich entwickeln“, erzählt Andra Lauffs-Wegner begeistert.

Katharina Sieverding und Andra Lauffs-Wegner
Vll/196/16.1973, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Vielfach inspiriert sie hierbei auch der gedankliche Austausch in zahlreichen Kunstgremien und Gespräche mit anderen Kunstsammlern und Kunstliebhabern. „Ich liebe es, mich mit künstlerischen Positionen auseinanderzusetzen, zu überlegen, wie Kunst zu definieren ist, welche gesellschaftlichen Auswirkungen sie hat und wie Künstler gefördert werden können. Kunst ist einfach ein ganz wesentlicher Teil meines Lebens. Durch den Umgang mit Kunstwerken, Künstlern, Galeristen und anderen Sammlern wird der eigene Horizont ständig erweitert. Kunst ist für mich eine enorme Bereicherung und ich bin von der Idee fasziniert, diese Erfahrungen und gewonnenen Erkenntnisse mit anderen Menschen im gegenseitigen Dialog zu teilen“.

Deshalb führt Andra Lauffs-Wegner die Besucher ihrer Ausstellungen gerne persönlich durch ihre Ausstellungsräume und den anschließenden Park. Der private und durchaus persönliche Rahmen von KAT_A ist bewußt gewählt, um einen direkteren Zugang zur Kunst zu eröffnen und zur weitergehenden Auseinandersetzung mit dieser anzuregen. Im unmittelbaren Umfeld der Kunstwerke entstehen interessante Diskussionen und intensive Betrachtungen. Künstlergespräche, Lesungen und spezielle Veranstaltungen führen zu Begegnung und anregendem Diskurs. So schließt sich der Kreis des Vermittlungskonzeptes von KAT_A, das sich seit seiner Eröffnung zu einer lebendigen Begegnungsstätte für zeitgenössische Kunst im Rheinland entwickelt hat.