Wolfgang Tillmans

Bei Tillmans trifft die Fotografie als Medium der gesellschaftlichen Realität zunehmend in den Hintergrund. Waren es in seinen frühen, geradezu ikonischen Arbeiten Versammlungen und Treffen in Clubs, auf Partys sowie Portraits einzelner Personen, rückte später verstärkt die Spannung zwischen Kontrolle und Zufall, Intention und befreienden Unwägbarkeiten des fotografischen Mediums in den Fokus. Motivgruppen wie „Faltenwurf“, “Stilleben“, “Freischwimmer“, „Drops“ oder „Silver“ verweisen auf die Autonomie fotografischer Darstellung. Diese in der Ausstellung maßgeblich nach Vorgabe des Künstlers gehängten Werkgruppen geben einen Überblick über sein Schaffen und spiegeln zugleich die darin konkurrierenden Themenschwerpunkte wider: die Interaktionen von Menschen in all ihren Facetten und die Erforschung der chemischen Grundlage der Fotografie. Für sein künstlerisches Werk wurde er vielfach international ausgezeichnet. Im Jahr 2000 gewann Tillmans als erster Künstler außerhalb Britanniens den Turner Preis. 2016 wurde ihm der Hasselblad Award verlieren und 2018 der Goslarer Kaiserring. Zudem verknüpft Tillmans seine künstlerische Arbeit mit politischem Engagement. Im Jahre 2016 engagierte er sich in seiner zweiten Heimat Großbritannien mit einer groß angelegten Anti Brexit-Kampagne und zur Bundestagswahl 2017 entwickelte er Plakate für eine höhere Wahlbeteiligung und gegen Rechtsnationalismus. Zudem hat er das soziale Projekt „Between Bridges“ ins Leben gerufen, mit dem er in Not geratenen Künstlern hilft.

Wolfgang Tillmans wurde 1968 in Remscheid geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Wolfgang Tillmans, Market I, 2012, Inkjet Print, gerahmt, 30,5 x 40,6 cm, Edition 10 + 1 AP, © Foto: Ulrich Dohle