Rückblick

KAT_A_5, 2019

Thomas Schütte und Andreas Schmitten

In der fünften KAT_A-Ausstellung wurden wieder die Werke zweier unterschiedlicher Künstler im Dialog vorgestellt: Der Grandseigneur der deutschen Bildhauerei Thomas Schütte und der Shootingstar der aktuellen deutschen Kunstszene Andreas Schmitten. In der Ausstellung wurde deutlich, dass für Andreas Schmitten der „Altmeister“ Thomas Schütte als wichtiger Impulsgeber gilt. Mit ihm teilt er nicht nur die vielgestaltige und kenntnisreiche Formenfindung sowie einen hintergründigen Humor, sondern auch die Fähigkeit, klassische Formen in eine neuartige, zeitgenössische Bildsprache zu übertragen. Beide Künstler entwickeln ihr maßgeblich bildhauerisches Werk parallel zu Zeichnung und Aquarell, modellhaften Architekturen – und immer mit dem Blick auf den Menschen und seine Körperlichkeit. So gelingt es Thomas Schütte mit seinen in unterschiedlichsten Materialien angefertigten Skulpturen und Modellen Emotionen, physische Erfahrungen sowie die Definition von Räumen und körperlicher Dimension erlebbar zu machen. Dabei findet er zwischen Witz und Ironie, sozialer Anklage und Gesellschaftskritik unterschiedlichste Ausformungen des Menschseins – sinnlich, subversiv und vielschichtig.

Auch Andreas Schmitten ist für seine raumgreifenden und hochkomplexen Installationen und Skulpturen bekannt, in denen Figuren, Objekte und Interieurs zu phantastischen, ja surrealen Bildwelten inszeniert werden und zugleich etwas amorph-belebtes erhalten. Durch die bewusste Berücksichtigung von Materialität und Herstellungsprozess schaffen beide Künstler ein ungemein weitreichendes, oftmals experimentelles Spektrum, das bei Schütte von monumentalem hochglanzpolierten Aluminium, Eisen und Bronze bis hin zu modellhafter, handbearbeiteter Keramik mit grober Oberfläche reicht, während Schmitten perfekt lackierte Oberflächen, eigentümlich blasse Farbigkeiten sowie manieriert elegante Formen handwerklich zur Perfektion treibt. Beide Künstler erweitern ihre Bildhauerei um ein großes autonomes grafisches Werk. Die Zeichnungen und Aquarelle entstehen oftmals als Werkgruppen und Serien. So kombiniert Schmitten in einer Synthese von Ästhetik, komplexem Inhalt und materialem Reiz archetypische (Kunst-)Symbole völlig neu und ironisiert sie. Dabei bedient er sich einer Formensprache, die eine Reminiszenz an Inkunabeln der Kunstgeschichte aufweist und kombiniert sie mit vermeintlich profanen Alltagsgegenständen.