Rückblick

KAT_A_4, 2018

Katharina Grosse und Yves Klein

Die vierte KAT_A-Ausstellung „Katharina Grosse und Yves Klein“ widmete sich den unterschiedlichen künstlerischen Möglichkeiten, die sich mit dem Medium Malerei erschließen. Dabei wurde die renommierte Malerin Katharina Grosse und einer der weltbekannten Meister der klassischen Moderne Yves Klein einander gegenübergestellt beziehungsweise in einen Dialog gesetzt, um die jeweils herausragende Position im Umgang mit Farbe und Malerei zu Architektur, Raum und Licht aufzuzeigen. Beide Künstler definieren die Malerei völlig verschiedenartig und brechen doch gleichermaßen die Grenzen des Mediums auf. Grosse und Klein gelingt es mit unterschiedlichen Ansätzen und Erfahrungen, die geistige Vorstellungskraft des Betrachters zu erweitern und die Wahrnehmung von Farbe intensiv zu erleben.

Der Mitbegründer der „Nouveaux Réalistes“ Yves Klein (1928-1962) hat mit monochromen Bildern in den bevorzugten Farben Blau, Gold und Rot eine entmaterialisierte Kunst angestrebt und mit seiner Konzentration auf eine Farbe und der Entwicklung eines einzigartigen ultramarinblauen Farbtons die Imagination von Unendlichkeit darzustellen versucht. Leuchtend, tiefgründig und dekorativ zugleich wurde die reine Farbe zum Synonym für die Freiheit des Betrachtens und die grenzenlose Möglichkeit der Vorstellungskraft.

Vergleichbar und doch ganz anders erschafft Katharina Grosse künstlerische Prototypen möglicher Wirklichkeiten. Auch sie bricht in ihren raumbezogenen Arbeiten Grenzen der Vorstellungskraft auf, zeigt nicht die Realität, sondern treibt sie mit dem Medium der Malerei voran. Sie verwandelt mit ihren Sprayarbeiten ganze Räume in komplexe Farbwelten und führt sie über jeglichen Bildrahmen hinaus in die Architektur und Landschaft hinein. Ihre oftmals als „anarchisch“ bezeichnete Handhabung der Malerei ist eine abstrakte, virtuose und spontane Geste. Die Spontanität ist Ausdruck der fehlenden Planbarkeit des Schaffensprozesses. Katharina Grosse geht es dabei um das Loslösen linearer Denkweisen und sie versucht, Objektgrenzen zu öffnen und neu zu materialisieren. In ihren Werken wird buchstäblich die Fähigkeit zur Imagination gefeiert und die Abstraktion als Mittel eingesetzt, um „den Sprung in die paradoxale Realität“ (Grosse) zu wagen.

Yves Klein, Monochrome bleu, IKB, 1959, reines Pigment in Kunstharz auf Leinwand auf Sperrholz, 72 x 90 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2018 & The Estate of Yves Klein