YNGVE HOLEN

Transformierte Ready-Mades 

Yngve Holen formt technische Produkte aus dem Alltag zu neuen, dem ursprünglichen Kontext enthobenen Objekten. Dabei entfremdet oder stilisiert er sie derart, dass sie eine anthropomorphe Gestalt gewinnen. Der Scheinwerfer eines Autos gewinnt plötzlich etwas beseeltes, erhält ein Antlitz, das dem Betrachter ebenbürtig entgegenzublicken scheint, eine Autofelge erscheint vegetabil. So befindet sich der Mensch in seinem Verhältnis zum technischen Fortschritt und seiner technologisierten Umgebung in einem irritierenden Zustand. Yngve Holen entwickelt das Prinzip Skulptur nach dem bahnbrechenden „Pissoir“ von Duchamp weiter: Er transformiert seine Ready-Mades immer wieder mit der Fragestellung rund um den Körper: Was macht ihn aus, wie wird er behandelt, vermittelt und welche Rolle spielt die technische Evolution für die biologische? Angesichts der wachsenden Bedeutung des optimierten und zunehmend designten menschlichen Körpers in unserer Gesellschaft setzt sich Holen mit der Dekonstruktion von gemeinhin hoch akzeptierten Markenprodukten und Maschinen auseinander. Menschliche Körper leben, Maschinen funktionieren - oder ist das für beide austauschbar? Die Grenzen verschwimmen und angesichts eines immer möglicher werdenden Transhumanismus werden die kühlen und zuweilen ironischen Arbeiten von Holen tiefgründig und schwer. In wie weit ist das menschliche Wahrnehmungsvermögen in einer Welt, in der physische und technische Leistungsfähigkeit mit der Vermischung von Realem und Virtuellem einhergehen, noch authentisch und frei von Manipulation?

Yngve Holen ist 1982 in Braunschweig geboren. 2010 Meisterschüler Bildhauerei, HfBK Städelschule, Frankfurt am Main, von 2001 bis 2006 Architecture, University of Applied Arts Vienna – Die Angewandte, Vienna, Austria. Auf folgenden Einzelausstellungen sind seine Arbeiten gezeigt worden: Leichtmetallräder, Schloss, Oslo, NO VERTICALSEAT, Kunsthalle Basel, Schweiz (2016); Yngve Holen, Stuart Shave/ Modern Art, London, UK World of Hope, Galerie Neu, Berlin (2015); Economy Class Legs, 032c Workshop, Berlin (2014); Original Spare Part, Stuart Shave/Modern Art, London, England (2013); Extended Operations, Rogaland Kunstsenter, Stavanger, NO (2013). 2014 hat Yngve Holen den ARS VIVA-Preis 2014/15 des BDI erhalten.

Hater Headlight, Scooter Headlight, 2016