Wolfgang Tillmans

Die Welt erkennen wollen

Wolfgang Tillmans fotografisches Schaffen zeichnet sich durch aufmerksame Beobachtung seiner Umwelt, der Pop-Kultur sowie durch die Erforschung der Fotografie aus. Sein Werk umfasst Portraits, Stillleben, Abstraktionen, All-Over-Wandinstallationen, Tisch-Installationen sowie Fotografien auf Basis von Fotokopien. Seit den späten 1990er Jahren widmet er sich verstärkt der Erforschung der chemischen Grundlagen sowie der haptischen und räumlichen Möglichkeiten des fotografischen Materials. Getragen von einem zugleich ästhetischen wie politischen Interesse an Wirklichkeitsentwürfen und Wahrheitsansprüchen, auch in Bezug auf Homosexualität und Geschlechterfragen, entstanden Portraits, Stillleben, Himmelsaufnahmen, astronomische Beobachtungen, Aufsichten und Landschaftsbilder. Tillmans lichtet ohne fotografische Manipulation das Geschehen als soziale Wirklichkeit ab. Für ihn sind Fotgrafien eine Umsetzung von Wirklichkeit in ein Bildobjekt, das zwar von Wirklichkeit zeugt und über sie sprechen will, aber keinesfalls die Wirklichkeit ist. Ein Foto ist zunächst nicht mehr als ein Bildobjekt – ein Rechteck in einem Raum. „Einerseits weiß ich natürlich, dass das Auge Fotografie als Wirklichkeit verstehen will. Auf der anderen Seite habe ich diesem Authentizitätsvertrauen oft genug widersprochen“, beschreibt Tillmans diese künstlerische Herangehensweise. „Die vermeintliche Leichtigkeit der Fotografie hat eben auch etwas sehr Trügerisches. Vermutlich verrät dieser Widerspruch zwischen dem, was ein Foto ist, und dem, was die Leute darin sehen wollen, eine Menge über die Widersprüche des Menschen an sich – über die Art und Weise, wie wir gemeinhin eben mit Realität umgehen.“

Wolfgang Tillmans ist 1968 in Remscheid geboren. Von 1990 bis 1992 studierte er am Bournemouth & Poole College of Art and Design in Südengland. Danach folgten Stationen in Hamburg, Bournemouth, New York und London. Seit 2003 hält er eine Professur an der Städelschule in Frankfurt/Main. Seine Arbeiten sind weltweit ausgestellt; u.a. Kunstverein München, Pinakothek der Moderne, München, PS1 Contemporary Art Center und MOMA in New York sowie Tate Gallery for Modern Art in London. 2000 wurde ihm als erstem Fotografen, der nicht aus England stammt, der renommierte Turner Prize verliehen. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Market I, 2012, Inkjet Print, gerahmt,30.5 x 40.6 cm, Edition 10 + 1 AP