Thomas Struth

Vom Präzisen Sehen

Thomas Struths Werk besteht aus Themenkomplexen zu Menschen in klar definierter Umgebung, zu Straßenzügen, Stadtentwicklung oder der Natur. In seinen neuesten Arbeiten widmet er sich globalen Phänomenen und fotografiert technische Anlagen wie Kernreaktoren oder Raumschiffe. In seinen präzisen Fotografien geht es Struth um das (wechselseitige) Sehen und Wahrnehmen des scheinbar Bekannten, um einen unverstellten Blick auf die Welt als Lebensraum. Meist benutzt er eine Großbildkamera, wobei er auf eine digitale Bearbeitung weitgehend verzichtet. Im Zentrum von Struths Arbeiten steht das „präzise Sehen“ und insbesondere die Beziehung zwischen Betrachter und Objekt. Struth stellt in seinen Werkgruppen regelmäßig Sichtweisen auf überkommene fotografische Sujets in Frage, unterläuft Sehgewohnheiten und erweitert auf diese Weise den fotografischen Kunstbegriff. In seinen Serien zu Landschaften verweist er beispielsweise durch die Abwesenheit von Menschen geradewegs auf ihre Anwesenheit und ihren Einfluss auf die ländliche Umgebung. So etwa zeigt auch die Werkgruppe ‚Unbewusste Orte‘ Metropolen und bildet einen eigenständigen Beitrag zur Stadtanthropologie ab.

Thomas Struth ist 1954 in Geldern am Niederrhein geboren. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der Düsseldorfer Schule der Fotografie. Von 1973 bis 1980 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf, zuerst Malerei u.a. bei Gerhard Richter, dann Fotografie bei Bernd Becher. 1978 erhielt er ein Stipendium für New York. Von 1993 bis 1996 war er Professor der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Zahlreiche internationale Ausstellungen: u.a. The Metropolitan Museum of Art, New York, Kunsthaus Zürich, Museo del Prado, Madrid, Hamburger Bahnhof, Berlin, Biennale Venedig, documenta IX. Struth lebt und arbeitet in Berlin und New York.

Grafenberger Wald, Düsseldorf, 2006, C-Print, 265,7 x 600 cm