Stan Douglas

Visuelle Erzählungen

Mit Stan Douglas verbindet man gemeinhin filmische und installative Arbeiten, bei deren Montage der Zufall mitwirkt und verlorene Utopien des 20. Jahrhunderts thematisiert werden. In den letzten Jahren nahm zudem die Fotografie im Schaffen des Kanadiers einen immer größer werdenden Raum ein. Douglas bezieht sich in diesen Fotoarbeiten auf literarische Vorlagen und auf historische Ereignisse. Dabei ist die konzeptuelle und formale Präzision von Douglas’ Filmen auch für seine Fotografien charakteristisch. In der Lüge, sagt Stan Douglas, liege mehr Wahrheit als in der Dokumentation. Bei der kürzlichen Verleihung des renommierten schwedischen Hasselblad-Preises begründete die Jury ihre Preisvergabe u.a. mit den Worten, dass Stan Douglas ein Künstler von außergewöhnlicher Bedeutung, sei, wobei im Mittelpunkt seiner Arbeiten ein starkes Interesse und Engagement für soziale Fragen wie Rasse, Geschlecht, Identität und postkoloniale Politik stünde. So sorgfältig Stan Douglas die historischen Ereignisse auch recherchiert und so aufwändig er sie inszeniert – die Fotografien sind dennoch frei von jedem Anspruch auf Geschichtstreue oder Deutungshoheit. Sie geben sich als Mutmaßungen und Fragmente zu erkennen, als eine im weiten Feld der Möglichkeiten vorgetragene Erzählung. Seine Fotografien sind visuell vorgetragene Geschichten, die wie Romane interpretiert und gelesen werden können - frei von jeglichem Streben, die „Wirklichkeit“ darstellen zu wollen.

Stan Douglas ist 1960 in Vancouver, Kanada geboren. Douglas studierte an der Emily Carr University of Art and Design in Vancouver. Seit den 1990er Jahren ist er international tätig und stellte u.a. auf der Documenta IX, Documenta X, Documenta XI und der Biennale in Venedig im Jahr 1990, 2001 und 2005 seine Werke aus. Douglas’ Film-, Videoinstallationen und Fotografien greifen häufig auf Veröffentlichungen bekannter Autoren zurück wie Samuel Beckett, Marcel Proust, Gebrüder Grimm sowie E.T.A. Hoffmann und Karl Marx. Kürzlich erhielt er den Hasselblad-Preis, die weltweit wichtigste Auszeichnung für Fotografen. Douglas lebt und arbeitet in
Vancouver.

Exodus, 1975, 2012, Digitaler C-Print, auf Aluminium, 180,3 x 257,8 cm