Friedrichsen & Thalmann

Vita contemplativa und Vita activa

In der Zweikanal-Videoprojektion „Nicht das Viele, das Eine“ beziehen sich Verena Friedrichsen und Kathrin Thalmann auf die biblische Erzählung der beiden Schwestern Maria und Marta aus dem Lukasevangelium (Lukas 10,38-42). In der christlichen Ikonographie werden die Schwestern als Sinnbild für die ursprünglich aus der griechischen Philosophie entlehnten Begriffe der Vita contemplativa und der Vita activa verstanden. Diese Interpretation übertragen die Künstlerinnen auf das gesellschaftliche Phänomen der Rastlosigkeit und Hetze. So beschreibt Friedrichsen die Figuren folgendermaßen: „Das Porträt der Maria, die Darstellung des kontemplativen Lebens, zeigt, dass dies nicht ‚Nichts-Tun‘ bedeutet, sondern höchste Konzentration. Maria lässt sich ganz auf eine Sache ein. Das Viele wird still, das Eine hat das Wort. Dabei findet sie Frieden und Harmonie. Ihr gelingt die Wahrnehmung für das Wesentliche.“ Neben der Darstellungen der zwei Frauen wird auch die Natur in ihrem langsamen, natürlichen Verfall gezeigt. Vegetabile Formen und Zustände verweisen auf den Rhythmus der Natur. Der Garten als Hortus conclusus, einem Seelenraum der Ruhe und Konzentration, wird ebenso deutlich. Bewusst werden Symbole, verwendet, wie etwa das hinfallende Weinglas, die als Gleichnisse kultur- und zeitübergreifender Bilder stehen.

Verena Friedrichsen ist 1977 in München geboren. Studium der Kunstpädagogik, Ludwig-Maximilians-Universität, München und Université de Provence Aix-Marseille I, Département Arts Plastiques et Sciences de l’Art, Frankreich. Zahlreiche internationale Ausstellungsbeteiligungen. Lebt und arbeitet in München.

Kathrin Thalmann ist 1975 in München geboren. Studium, Akademie der Bildenden Künste München. Examenspreis Kunstpädagogik für herausragende künstlerische Leistung. Seit 2014 Dozentin am Institut für Kunstpädagogik, Ludwig-Maximilians-Universität München. Zahlreiche internationale Ausstellungsbeteiligungen. Lebt und arbeitet in München.

Nicht das Viele, das Eine, 2015, Zweikanal-Videoprojektion (Details)