Candida Höfer

Das Portrait eines Ortes

Mit ihren Fotografien untersucht Candida Höfer Formen und Strukturen von Räumen sowie die Bedeutung von Einzelheiten in diesen architektonischen Ordnungen. Hatte sie zu Beginn ihrer fotografischen Karriere verstärkt Menschen fotografiert, widmete sich die Fotokünstlerin im Laufe ihres Schaffens zunehmend dem Portraitieren von Räumen und Orten. Indem sie in ihren Arbeiten auf die Abwesenheit von Menschen verweist, betont sie umso mehr die Topographie und Architektur im Spiegel von Gesellschaft und Zeit. Welche Bedeutung kann ein Ort haben? Welche Anwendung liegt ihm zugrunde? Was ist Architektur? Candida Höfer portraitiert Räume als Reflexion ihrer Bedingung und derer, die den Raum als solchen überhaupt entstehen lassen. Bibliotheken, Konzert- und Theatersäle – sie alle verweisen auf etwas, das den Raum mit Funktion, Ton und Leben (er)füllt. Der Betrachter sieht nicht nur, er assoziiert und erfährt über das Bild hinaus seine eigene und kollektive Erfahrungswelt.

Candida Höfer wurde 1944 in Eberswalde geboren. Nach einem Studium bei Arno Jansen an den Kölner Werkschulen nahm sie das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Filmklasse bei Ole John auf. Von 1976 an war sie Schülerin von Bernd Becher und gehört nach Abschluss des Studiums zu den wichtigsten Vertreterinnen der sog. Becher-Schule. Von 1997 bis 2000 hatte sie eine Professur für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe inne. Ihre Arbeiten sind international vertreten: u. a. Kunsthalle Basel, Kunsthalle Bern, Museum of Modern Art in New York, Kunsthaus Bregenz, Museum Ludwig in Köln, Museum Kunstpalast Düsseldorf, documenta XI, Biennale in Venedig. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Municipal Calais I, 2001, C-Print, 155 x 172,5 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016