ANNE IMHOF

Körpersprache

‘Body language’, ist ein Schlüsselwort in der Kunst von Anne Imhof. Körpersprache, Sprechen mit dem Körper, körperhaftes Sprechen – all diese sprachlichen Formulierungen verbinden Ausdruck und Gestalt, Haltung und Bewegung. Imhof, die vor allem mit ihren performativen Arbeiten in kürzester Zeit bekannt geworden ist, bezieht den menschlichen Körper stets in ihre Arbeiten mit ein. Ob in der dreiteiligen Oper „Angst“ oder kürzlich mit „Faust“ auf der 57. Biennale in Venedig. Dennoch würde sie ihre Stücke nicht als Performancekunst bezeichnen, sondern als Malerei, wie sie einmal in einem Interview mit dem Magazin Spex sagte. Das Malen und Zeichnen ist für sie Ausgangssituation ihrer Arbeiten und wesentliches Medium ihrer Kunst. So können auch die Zeichnungen betrachtet werden, die als „scratches“, also als Kratzer, in eine extrem glänzend schwarze Oberfläche gezogen wurden. Diese hoch ästhetischen Arbeiten sind abstrakten Zeichnungen vergleichbar, bei denen feine, silbrig wirkende Linien einen schwarzen Hintergrund durchziehen. Zugleich sind diese Linien aber auch eindeutige Verletzungen der hochglänzenden Fläche. Die Linien „zerstören“ und sind doch fragil, während der restliche Bereich der Arbeit den Betrachter widerspiegelt. Unweigerlich muss dieser sich bewegen, um die Arbeit ohne sein Spiegelbild betrachten zu können. Er muss sich verhalten, reagieren und tritt schließlich in Interaktion mit dem Bild; vergleichbar mit dem Publikum in Imhofs mehrstündigen Performances, das sich zwischen den Performancekünstlern bewegt und so auf unterschiedlichste Weise in einen interaktiven Prozess tritt.

Anne Imhof studierte von 2000 bis 2003 Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG). Ab 2008 studierte sie an der Städelschule in Frankfurt am Main, wo sie 2012 als Meisterschülerin bei Judith Hopf mit dem Absolventenpreis ausgezeichnet wurde. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten und Performances u.a. auf folgenden Einzelausstellungen gezeigt: Angst I, Kunsthalle Basel (2016); Angst II, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2016); Angst III, La Biennale de Montréal-MAC (2016); Deal, MoMa PS1, New York (2015); Rage III, Sotsb, Foster-Variation - Carré d´art, Nîmes (2014); Sotsb Njyy - New Jerseyy, Basel (2013); Beautiful Balance, Kunsthalle Bern (2012). 2015 erhielt Imhof den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. 2017 gestaltete Imhof den deutschen Pavillon auf der 57. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia. Sie erhielt dafür den Goldenen Löwen als bester nationaler Beitrag. 2017 wurde ihr der Absolut Art Award, Stockholm verliehen.

Untitled, 2016