ALICJA KWADE

Grenzenlose Parallelwelten

Alicja Kwades Arbeiten kreisen um die Themen Zeit und Wahrnehmung, Fiktion und Wahrheit – und die Frage, was in der medial gefilterten Wirklichkeit dafür gehalten wird. Kwades Motive stammen oft aus Film oder Fotografie, beispielsweise studiert sie immer wieder Zeitungsnachrichten oder Briefe aus Filmen und Geschichte und überprüft deren dokumentarischen Charakter. Sie setzt sich mit physikalischen Phänomenen auseinander, etwa den Spuren, die durch die Langzeitbelichtung eines Motivs sichtbar werden und die Frage aufwerfen, welche Realität bildlich festgehalten ist. Den Gedanken, Zeit physisch erlebbar zu machen, beschrieb Alicja Kwade einmal als wesentlichen Antrieb für ihr Schaffen. In ihren Skulpturen und Installationen nutzt sie dafür verschiedenste Materialien und Techniken: Von der Straße aufgesammelte Steine lässt sie zu glitzernden Bordsteinjuwelen schleifen; Reihen von Schreibtischlampen doppeln und brechen sich in zwischen sie gelehnten Spiegeln und schaffen so grenzenlose Parallelwelten. Die allgemeingültige Annahme, dass wir im Spiegel die Wirklichkeit sehen, wird so infrage gestellt. Alicja Kwade löst die Grenze zwischen Realität und Spiegelbild auf und lässt uns nicht mehr unterscheiden, was echt und „falsch“ ist. Im Gegenteil, sie suggeriert vielmehr eine Welt hinter dem Spiegel. Somit verschiebt sie unsere gemeinhin gültigen Vorstellungen und Sehgewohnheiten. Nichts ist so, wie es scheint, und Ordnungen, Grenzen und Wertvorstellungen lassen sich mit einem kleinen „Trick“ derart verändern, dass wir zu guter Letzt auch die Frage nach unserer Identität neu stellen müssen.

Alicja Kwade ist 1979 im polnischen Kattowitz geboren und in Hannover aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Berlin, wo sie auch ihr Studium an der Berliner Universität der Künste absolvierte. Kwades Werke waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem im K 21 in Düsseldorf und im Hamburger Bahnhof in Berlin. Sie hat u.a. den Hectorpreis, Kunsthalle Mannheim (2015) sowie den Robert-Jacobsen-Preis, Würth Haus Berlin (2011) erhalten. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten auf u.a. folgenden Einzelausstellungen gezeigt: Haus am Waldsee, Berlin (2015); Kunsthalle Mannheim und Nürnberg (2015): Kunstmuseum | Kunstverein St.Gallen, Schweiz (2014); Kunstmuseum Bremerhaven (2013); ZKM Karlsruhe (2011); Oldenburger Kunstverein und Kunstverein Bremerhaven (2011); Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart (2008)

Be-Hide, Spiegel, Steine, 2016