Vier Fragen an David Zink Yi

Vier Fragen an David Zink Yi

Lieber David Zink Yi, was bedeutet für Sie der Begriff „Heimat”?
Ich habe den Eindruck, dass Heimat ein Ort aber auch ein Gedanke sein kann, der einem das Gefühl der Verbundenheit vermittelt. Dort, wo man Zugehörigkeit empfindet und diese aufgebaut hat, liegt immer ein bisschen Heimat.

Mit welchem Material bzw. Medium arbeiten Sie besonders gern?
Ich habe kein spezielles Medium, auch habe ich kein besonders bevorzugtes Material, mit dem ich am liebsten arbeiten würde. Manche Materialien beschäftigen einen länger als andere, manche sind vertrauter, da man schon mehr Erfahrung damit gesammelt hat, und andere verlangen mehr Zeit, Energie oder Geld. Ideen aber verlangen nach ihren eigenen Medien und Materialien – so empfinde ich das.

Was ist für Sie gute Kunst?
Mich begeistert Kunst ganz besonders, wenn ich etwas Altbekanntes in einer ganz neuen Weise wiedererkenne, bzw. nicht mehr erkenne. Wenn sich Etwas in seiner ganzen Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit zeigt, so wie beispielsweise bei einem polyphonen Klang, bei dessen Mehrstimmigkeit, die einzelnen Stimmen im Wesentlichen gleichwertig sind. Mich begeistert Kunst auch, wenn man nichts mehr festlegen, wenn man nichts mehr beschreiben kann. Aber ob das der Maßstab für gute Kunst ist, bezweifele ich. Es gibt so viel Kunst, so viele Künstler und Kunstbetrachter, für die jeweils ganz andere Maßstäbe gelten und diese haben sicherlich auch ihre Berechtigung.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in ihrem Atelier arbeiten?
Ich habe zwei Töchter und ich versuche, viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

 


 

Polyphonie ist vielleicht das Merkmal, das auf die Kunst von David Zink Yi angewendet werden kann. Er ist weder in seiner Formensprache noch in der Wahl seiner Techniken, Materialien und Medien fest ein- oder zuzuordnen. Musik, Video, Installation und Bildhauerei finden bei ihm die unterschiedlichsten Ausprägungen – und doch geht es immer wieder um die Beziehung zu Menschen, Natur, Ländern, Kulturen und der eigenen Identität. Selbst unter peruanischen, chinesischen und deutschen kulturellen Einflüssen aufgewachsen, behandelt David Zink Yi Fragen nach Identitätsfindung und die Bedeutung kultureller Zugehörigkeit in einer globalisierten Welt. Seine Werke bewegen sich zwischen abstraktem Motiv, Studien zu Form und Ästhetik, Materie und Transformation und werden so zu Metaphern von Veränderung und Wahrnehmung
derselben. Dabei bietet er dem Betrachter und Zuhörer die Möglichkeit, eigene Interpretationen und Einordnungen vorzunehmen. Die Mehrdeutigkeit und zuweilen hermetische Ausdrucksweise bleiben wesentliche Merkmale seines künstlerischen Schaffens. David Zink Yi gibt keine Antworten, sondern stellt vielmehr Ideen und Gedanken zur Disposition, die manchmal auch rätselhaft und verstörend wirken. Nicht selten ist es das Spiel mit gewohnten Sichtweisen, die er auf den Kopf stellt, indem Relationen und verschoben und Erwartungen in Frage gestellt werden. Dabei blitzen immer auch Spuren von Ironie und Humor auf, die befreiend und motivierend wirken. Vielleicht es gerade diese Leichtigkeit, die einlädt, seinen Werken und multimedialen Projekten mit Neugierde, Offenheit und Diskursfähigkeit zu begegnen.

KAT_A zeigt seine Installation von fünf Palmen aus der Werkserie Neusilber (2009) im Park. Mit naturalistischer Detailgenauigkeit gearbeitet, verkörpern die von ursprünglich 35 nun auf 3,5 Meter geschrumpften Palmen eine idealisierte und ästhetisierte Natur in metallischer Kühle.

Bilder: Kunst-Giesserei St. Gallen AG, Ulrich Dohle, Alexandra Wendorf