Linden-Rondell im Park

Linden-Rondell im Park

Direkt neben den Ausstellungsräumen von KAT_A, ca. 2 Minuten Gehweg entfernt, befindet sich der historische Park der Villa Merkens und lädt ein, Skulpturen und Installationen in fast idealtypischer Umgebung zu betrachten. Umgeben von Drachenfels und Rhein, sind hier in Bad Honnef-Rhöndorf Werke von Jeppe Hein, Michael Sailstorfer und Michaela Meise zu sehen, die sich nahezu selbstverständlich in die natürliche Umgebung einfügen. Der Park mit seinen alten Bäumen beinhaltet zum Teil seltene Sorten wie etwa, den Tulpenbaum, Trompetenbaum oder die Spießtanne und wartet mit einer gartenhistorischen Besonderheit auf: das Linden-Rondell.

Schon der ursprünglich von Joseph Clemens Weyhe geschaffene Lantz’sche Park in Düsseldorf-Lohausen erhielt um 1880 durch den Landschaftsarchitekten Carl Friedrich Julius Bouché ein solches Rondell. Als Aussichtspunkt verlieh dieses Arrangement dem Park einen festen Bezugspunkt innerhalb der angelegten Sichtachsen und Wege. Nur wenige dieser dem englischen Landschaftsgarten entliehenen Baum-Rondells sind heute noch erhalten und mancherorts werden sie sogar aufwändig nachgepflanzt und rekonstruiert.

Als im Frühjahr 2016 Michaela Meise gemeinsam mit Andra Lauffs-Wegner den Platz für ihre Rundbank „Chelsea Kramer“ im Park aussuchte, fiel ihre Wahl sofort auf das Linden-Rondell am Rande des Parkgeländes. Ohne Kenntnis dieser historischen Besonderheit war die Entscheidung intuitiv gefallen und der Aufbau inmitten der sieben im Kreisrund stehenden Linden spontan veranlasst. Interessanterweise arbeitet Michaela Meise in ihren Werken die Bedeutung von Orten und Menschen heraus. Indem sie oftmals wie beiläufig und alltäglich wirkende Abbilder schafft, verbindet sie persönliche Erinnerungen und kollektive Geschichten, kombiniert sie mit Kontexten aus der Hoch- und Alltagskultur. Durch ihren neuen Platz im Park weist Michaela Meises Rundbank auf erweiterte inhaltliche und formale Zusammenhänge hin, die den Betrachter auf seine Umgebung und Historie aufmerksam machen.

So könnte die historische Bedeutung des Linden-Rondells auch auf die seit Jahrtausenden bestehende tiefe Verbindung zwischen Baum und Mensch zurückgehen. Der Baum als Sinnbild und Ursymbol für die Unvergänglichkeit der Natur findet sich als Mythos in fast allen Kulturen unserer Erde wieder. Insbesondere für die Kelten spielten Bäume eine zentrale Rolle. Für sie waren sie von Göttern und Naturgeistern beseelt und so mancher Baum war ihnen heilig. Basierend auf den Glauben an die Kräfte der Natur und der Bäume geht schließlich die Idee des keltischen Baumkreises zurück, bei dem 21 unterschiedliche Baumarten die vier Jahreszeiten versinnbildlicht haben sollen. Diese Zahl ergibt sich durch die keltische Auffassung, dass jeder Baum dreifach aufgebaut ist (Wurzel, Stamm, Krone), und aus sieben Teilen besteht (Wurzel, Stamm, Rinde, Geäst, Blätter, Blüten, Früchte) – multipliziert man diese beiden Zahlen ergeben sich die 21 Lebensbäume des keltischen Baumkreises. (Quelle: www.garten-europa.com).

Sieben Bäume finden sich auch bei den Linden-Rondells in Düsseldorf und Bad Honnef. Die Rundbank von Michaela Meise verweist so – zufällig und doch auch werkimmanent – auf Kultur- und Zeitgeschichte. Sie ist als Skulptur im öffentlichen Raum Teil ihrer Umgebung und lenkt die Aufmerksamkeit über ihre ursprünglich angelegten Konnotationen hinaus auf neue Interpretationsmöglichkeiten.

Bild: Ulrich Dohle